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Sämi steht vor dem neuen Volvo ES90 und stellt gleich zu Beginn klar: «Ich erzähle euch heute, warum mich dieses Auto überrascht – und warum gewisse Leute keine Freude daran haben werden.»
Bevor er aber in die Lobhudelei verfällt, zieht Sämi einen grösseren Bogen. Für ihn ist die Autowelt der letzten Jahre nämlich «ziemlich berechenbar» geworden.
Überraschungen? Selten. «Die meisten neuen Modelle basieren auf bekannten Plattformen. Nur das Rezept wird leicht verändert.»
Bekannte Basis
Beim ES90 scheint das zuerst auch so zu sein: Die Limousine teilt sich die Basis mit dem SUV EX90. Doch diesmal ist die Plattform nicht nur wiederverwertet, sondern grundlegend überarbeitet. Das Zauberwort lautet 800 Volt.
Damit lädt der ES90 mit bis zu 350 kW – schneller als ein Porsche Taycan. Der Akku füllt sich in 22 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Eine echte Ansage.
Ganz perfekt ist das jedoch nicht: Denn der EX90, der erst ein Jahr zuvor auf den Markt kam, hatte noch ein 400-Volt-System. Für frühe Käuferinnen und Käufer bedeutet das: Ihr praktisch neues Auto ist technisch schon veraltet. «Das ist nicht fair», sagt Sämi. «Hardware kann man nicht updaten.»
Preis und Ausstattung überzeugen
Fair hingegen ist der Preis. Der ES90 startet in der Schweiz bei 74’950 Franken. Dafür gibt es 647 Kilometer WLTP-Reichweite und eine üppige Grundausstattung: beheizte Sitze, Android-Infotainment, ein grosses Glasdach.
«Vergleicht das mal mit einem deutschen Premiumauto», meint Sämi. «Dort sieht es etwas anders aus.»
Wer die Optionenliste durchklickt, landet zwar über 90’000 Franken, aber auch das ist in dieser Klasse kein Ausreisser. Was dagegen fehlt, ist etwas, das für die Schweiz wichtig ist: Allradantrieb.
Den gibt es erst bei den zweimotorigen Varianten mit 335 oder 500 kW. Die Basismotorisierung mit 245 kW – die Sämi fährt – ist hierzulande kaum relevant.
Trotzdem: Untermotorisiert fühlt sich der ES90 nicht an. «6.6 Sekunden auf 100 sind genug. Es muss nicht immer der teuerste sein.»
Volvo glaubt an die Limousine
Was Sämi besonders beeindruckt: Dass es dieses Auto überhaupt gibt. Der globale Limousinenmarkt stagniert, viele Hersteller haben das Konzept beerdigt. Volvo nicht.
In China sind Limousinen weiterhin gefragt – und dort sitzt der Mutterkonzern Geely. Der ES90 schlägt also zwei Fliegen mit einer Klappe: Er bedient den Heimmarkt und pflegt gleichzeitig die schwedische Tradition grosser, eleganter Limousinen.
Und komfortabel ist der ES90 allemal: Luftfederung, starke Geräuschdämmung, edle Sitze mit Massage und Belüftung.
Einziger Komfortkiller: die optionalen 22-Zoll-Räder. «Die sehen gut aus, aber bei kleinen Unebenheiten spürt man sie. Lasst die weg – spart Geld und verbessert den Komfort.»
Besser als der EX90 – aber nicht beim Sitzen
Insgesamt gefällt Sämi der ES90 sogar besser als der EX90 – vor allem wegen des tieferen Schwerpunkts. Beim Sitzen hat aber der SUV die Nase vorn: Wegen der im Boden verbauten Batterie sitzt man im ES90 etwas angewinkelt. Dafür gibt es viel Beinfreiheit und eine verstellbare Rücklehne – ein echtes Oberklassemerkmal.
Weniger überzeugend: der kleine 27-Liter-Frunk und der für die Fahrzeuggrösse eher knappe 446-Liter-Kofferraum.
Sämi nimmt es gelassen: «Das ist der Preis für das klassische Limousinenkonzept. Und ich bin froh, dass man überhaupt noch wählen kann.» Denn klar ist für ihn: «Dieses Auto gefällt mir besser als fast jeder SUV.»
Beim Vergleich mit der Konkurrenz wird Sämi deutlich: «Ein BMW i5, ähnlich ausgestattet und motorisiert, kostet rund 15’000 Franken mehr – obwohl er langsamer lädt und weniger weit fährt.»
Sein Schlusswort fällt entsprechend aus: «Kurz gesagt: Gut gemacht, Volvo! Und jetzt bitte noch einen Kombi.»
