Porsche Taycan gebraucht: Viel Sportwagen fürs Geld
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Porsche Taycan gebraucht: Viel Sportwagen fürs Geld

Ein gebrauchter Porsche Taycan kostet teils kaum mehr als ein 20-jähriger 911er. Der Preiszerfall eröffnet Chancen – doch Reichweite, Batterie, Garantie und Unterhalt verlangen vor dem Kauf einen genauen Blick.

Mehr als 500 PS, fünf Jahre alt und für 50’000 Franken im Angebot: Beim Porsche Taycan ist das keine Fantasie. Zu diesem Preis wurde ein Taycan 4S von 2020 mit 60’000 Kilometern als offizielle Porsche-Occasion angeboten. Wer für das gleiche Budget einen 911er sucht, landet dagegen bei einem ungefähr 20 Jahre alten Auto mit rund 140’000 Kilometern.

Noch deutlicher wird der Preiszerfall bei einem fast neuen Taycan GTS des Modelljahrs 2025. Ein Exemplar mit 15’000 Kilometern stand für 140’000 Franken zum Verkauf – rund 70’000 Franken unter dem ursprünglichen Preis. Ein derart schneller Wertverlust ist selbst in der Oberklasse bemerkenswert und passt kaum zum Image wertstabiler Porsche-Sportwagen.

Porsche Taycan als sportliche Elektroauto-Occasion
Der hohe Wertverlust bringt leistungsstarke Taycan-Versionen in Preisregionen, die bei anderen Porsche-Modellen kaum vorstellbar sind. Quelle: GO!

Für die Marke ist das unangenehm, für Occasionskäufer zunächst verlockend. Denn der tiefe Preis bedeutet nicht, dass der Taycan fahrerisch enttäuscht. GO!-Redaktor Sämi ist in den vergangenen zehn Jahren praktisch alle wichtigen Elektroautos gefahren. Sein Urteil fällt eindeutig aus: «Kein anderes Elektroauto fährt sich so sportlich wie der Taycan.»

Genau darin liegt der Widerspruch dieses Autos: Der Taycan erfüllt viele Versprechen, die Porsche bei seiner Entwicklung gemacht hat. Trotzdem leidet er stärker unter dem Wandel des Elektroautomarkts als die meisten klassischen Modelle der Marke.

Der Porsche Taycan musste zuerst beweisen, dass er ein Porsche ist

Der Weg zum ersten elektrischen Serien-Porsche begann 2015 an der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt. Dort zeigte der Hersteller die Studie Mission E. Für eine Marke, deren Geschichte von Boxermotoren, Rennsport und charakteristischem Klang geprägt ist, war ein lautloser Elektro-Sportwagen ein gewagter Schritt – besonders mit Blick auf die traditionell eher konservative Kundschaft.

Beim 2020 eingeführten Serienmodell setzte Porsche deshalb nicht nur auf starke Beschleunigung. Der Taycan erhielt ein 800-Volt-System, das an einer ausreichend leistungsfähigen Schnellladestation besonders hohe Ladeleistungen ermöglicht. Dazu kam als Besonderheit ein Zweiganggetriebe an der Hinterachse. Der kurze erste Gang hilft beim maximalen Beschleunigen, während der zweite Gang bei höherem Tempo Effizienz und Leistungsentfaltung verbessert.

Weisse Studie Porsche Mission E auf einer Küstenstrasse
Mit der Studie Mission E kündigte Porsche 2015 an, Sportlichkeit erstmals konsequent elektrisch zu interpretieren. Quelle: Porsche

Auch Sämi zweifelte bei seiner ersten Begegnung daran, ob ein Porsche ohne Motorengeräusch tatsächlich als echter Porsche durchgehen könne. Rückblickend sieht er diese Skepsis als Teil einer Gewöhnungsphase. Vor sechs Jahren waren Elektroautos deutscher Traditionsmarken noch ungewohnt. Inzwischen ist der elektrische Antrieb im Strassenbild angekommen, ohne dass dadurch ein 911er seine Bedeutung verloren hätte.

«Sich daran zu gewöhnen, ist ein Prozess und braucht Zeit – zumindest war es bei mir so», sagt Sämi. Wer den Taycan allein am fehlenden Auspuffsound misst, verpasst aus seiner Sicht den entscheidenden Punkt. Trotz schwerer Batterie und weniger akustischer Dramatik habe Porsche ein Auto geschaffen, das sich beim Fahren klar nach der Marke anfühle.

Warum mehr PS den Taycan nicht automatisch schlagen

Auf dem Papier scheint die Konkurrenzfrage rasch beantwortet. Ein Tesla Model S Plaid leistet mehr als ein Taycan GTS und kann je nach Ausführung weniger kosten. Für Sämi sagt dieser Vergleich jedoch wenig darüber aus, welches Auto sich wie ein Sportwagen anfühlt. Bereits die rund 600 PS des getesteten GTS liegen weit über dem, was sich auf Schweizer Strassen sinnvoll ausschöpfen lässt.

Entscheidender sind Lenkung, Bremsen, Fahrwerksabstimmung und die Kontrolle in Kurven. «Kein Tesla lenkt, bremst und liegt so wie der hier», sagt Sämi über den Taycan. Porsche hat das Auto zudem darauf ausgelegt, seine Leistung nicht nur für wenige Sekunden, sondern auch bei wiederholter hoher Belastung bereitzustellen – etwa bei schnellen Autobahnetappen oder auf einer Rennstrecke.

Roter Porsche Taycan GTS auf einer kurvigen Landstrasse
Der Taycan GTS überzeugt nicht nur beim Beschleunigen, sondern vor allem mit präziser Lenkung, belastbaren Bremsen und hoher Kurvenstabilität. Quelle: GO!

Dieser Aufwand zeigt allerdings auch das Grundproblem. Das Tesla Model S kam ohne Zweiganggetriebe aus und verband dennoch mehr Leistung mit höherer Reichweite. Porsche optimierte den Taycan für Fahrdynamik und Standfestigkeit. Viele Elektroauto-Käufer priorisieren dagegen Reichweite, kurze Ladestopps und ein zuverlässig verfügbares Ladenetz.

Dazu kommt eine unbequeme Frage: Wie viele Taycan-Fahrer nutzen die aufwendige Rennstreckentauglichkeit wirklich? Wer regelmässig auf einem Rundkurs fährt und maximale Porsche-Präzision sucht, dürfte häufig direkt zu einem 911 GT3 RS greifen. Im Alltag bleiben damit ausgerechnet jene Talente ungenutzt, mit denen sich der Taycan besonders deutlich von anderen Elektroautos absetzt.

Reichweite und Laden holten frühe Käufer im Alltag ein

Der Umstieg auf ein Elektroauto verlangt eine andere Planung als der Kauf eines Verbrenners. Ladeleistung, verfügbare Infrastruktur, reale Reichweite und der Einfluss tiefer Temperaturen spielen plötzlich eine wichtige Rolle. Sämi vermutet, dass sich manche frühe Taycan-Kunden vor dem Kauf zu wenig mit diesen Punkten beschäftigten. Die enorme Beschleunigung begeisterte – der elektrische Alltag folgte erst später.

Frust entstand etwa dann, wenn eine Ladesäule nicht genügend Leistung lieferte und das schnelle 800-Volt-System sein Potenzial deshalb nicht ausspielen konnte. Auch die Reichweite kann im Winter deutlich sinken. Unter ungünstigen Bedingungen könne sich laut Sämi etwa ein Drittel der angegebenen WLTP-Reichweite «in Luft auflösen». Dieses Phänomen betrifft Elektroautos generell. Bei einem Fahrzeug, das rund 200’000 Franken kostet, dürften solche Abweichungen jedoch weniger gelassen aufgenommen werden als bei einem 50’000-Franken-Modell.

Porsche Taycan beim Schnellladen an einer Ladestation
Die 800-Volt-Architektur ermöglicht kurze Ladestopps – vorausgesetzt, die Schnellladesäule ist verfügbar und liefert genügend Leistung. Quelle: Porsche

Rückrufe und technische Probleme verschärften die Situation. Sämi sieht darin aber nicht den Hauptgrund für die schwache Nachfrage. Schwerer wiegen der Einbruch im wichtigen chinesischen Markt und die Tatsache, dass der Wechsel zur Elektromobilität in Europa langsamer vorankommt als von vielen Herstellern erwartet.

Damit geriet auch die langfristige Porsche-Strategie ins Wanken. Der Taycan war als Auftakt für einen umfassenden Antriebswechsel gedacht. Ursprünglich stellte Porsche bis 2030 einen Anteil von bis zu 80 Prozent rein elektrischer Neuwagen in Aussicht – sofern Nachfrage und Rahmenbedingungen mitspielen. Inzwischen musste das Unternehmen das Tempo anpassen und wieder breiter in unterschiedliche Antriebsarten investieren. Diese Korrektur kostet Milliarden.

Beim gebrauchten Porsche Taycan entscheidet der genaue Check

Die nachlassende Nachfrage trifft auf ein grundsätzliches Problem des Occasionsmarkts: Viele gebrauchte Elektroautos verlieren schneller an Wert als vergleichbare Verbrenner. Beim Porsche Taycan fällt dieser Effekt wegen des hohen Neupreises und der raschen technischen Entwicklung besonders stark aus.

Das Facelift macht den Unterschied sichtbar. Frühe Taycan-Ausführungen erreichten je nach Version ungefähr 400 Kilometer. Mit neueren Modellen sind laut Sämi rund 550 Kilometer möglich. Mehr Reichweite, bessere Effizienz und Fortschritte beim Laden machen das aktuelle Fahrzeug attraktiver. Gleichzeitig wirkt die erste Generation dadurch schneller veraltet, obwohl sie fahrerisch weiterhin überzeugt.

Gebrauchter Porsche Taycan als günstige Elektroauto-Occasion
Technische Fortschritte bei Batterie, Reichweite und Laden drücken die Preise früher Taycan-Modelle – trotz ihrer unverändert starken Fahrdynamik. Quelle: GO!

Zusätzlichen Druck erzeugt der Wettbewerb. Zahlreiche neue Elektroautos treffen auf eine Nachfrage, die hinter früheren Prognosen zurückbleibt. Hersteller reagieren mit Rabatten und Preisnachlässen. Sinkende Neuwagenpreise ziehen wiederum die Occasionen nach unten – ein Kreislauf, der hochpreisige Modelle besonders hart trifft.

Die genannten Taycan-Angebote stammen gemäss Sämi aus dem offiziellen Porsche-Occasionsprogramm. Dort gelten entsprechende Garantiebedingungen für die Hochvoltbatterie mit einer Laufzeit von bis zu acht Jahren. Auf freien Onlineplattformen lassen sich teilweise nochmals günstigere Fahrzeuge finden. Dafür müssen Käufer je nach Angebot auf zusätzliche Absicherung verzichten und mehr Risiko übernehmen.

Vor dem Kauf lohnt sich deshalb eine gründliche Prüfung. Zentral sind der Gesundheitszustand der Batterie, die verbleibende Garantie, erledigte Rückrufe sowie die tatsächlich erreichbare Ladeleistung und Winterreichweite. Auch Versicherung, Reifen, Bremsen und mögliche Reparaturen bleiben auf Oberklasse-Niveau. Ein tiefer Occasionpreis verwandelt den Taycan nicht in ein günstiges Auto im laufenden Betrieb.

Wer diese Punkte sauber abklärt, erhält jedoch aussergewöhnlich viel Fahrdynamik fürs Geld. Selten war ein moderner Porsche mit vergleichbarer Leistung so erschwinglich. «Der Taycan ist ein echter Porsche», sagt Sämi. Sein Problem sei nicht seine sportliche Substanz, sondern seine historische Rolle: Er sollte eine elektrische Revolution einleiten, deren Durchbruch länger dauert als geplant. Für Porsche ist das teuer. Für gut informierte Occasionskäufer kann es die Gelegenheit sein, genau jetzt einzusteigen.