Cyndie Allemann ist bekannt dafür, Autos nicht nach Zahlen zu beurteilen, sondern nach Gefühl. Und genau dieses Gefühl liefert die Alpine A110 seit Jahren in Reinform.
Sie ist kein Muskelprotz, kein Technik-Overkill, kein rollendes Statussymbol – sondern ein Sportwagen, der sich auf das Wesentliche konzentriert: wenig Gewicht, viel Rückmeldung, viel Fahrfreude.
«Leute, ihr kennt mich. Ihr mag schnelle, leichte und sportliche Autos… und darum liebe ich dieses Auto hier», sagt Cyndie.
Das Ende für die A110 ist absehbar
So sehr die A110 begeistert, so klar ist ihr Problem: Sie ist ein reiner Verbrenner. Und damit wird es für Alpine zunehmend schwierig, sie unter strengeren CO2-Normen weiter anzubieten.
«Das Auto ist aber nicht zukunftstauglich. Das passt nicht mehr zu strengen CO2-Normen. Das Auto wird bald hier eingestellt», sagt Cyndie. Die A110 verschwindet – doch Alpine bleibt. Nur die Richtung ändert sich komplett: elektrisch.
Der Neustart heisst A290 – und kommt aus einer anderen Welt
Mit der A290 beginnt Alpine den Schritt in die Elektromobilität. Der kompakte Sportler ist technisch eng verwandt mit dem Renault 5, soll aber deutlich mehr sein als nur ein umgelabeltes Modell. Für Cyndie ist genau das der Knackpunkt.
«Ich frage mich, ob dieses Auto hier wirklich eine echte Alpine ist?»
Das grosse Thema: Gewicht – und der Bruch mit der Leichtbau-DNA
Alpine steht für Leichtbau. Und genau dort hat ein Elektroauto naturgemäss einen Nachteil. Eine A110 GTS wiegt rund 1184 Kilogramm, die A290 liegt bei etwa 1554 Kilogramm. Das sind mehr als 350 Kilo Unterschied.
«Oh la-la, das ist aber ganz viel Gewicht», kommentiert Cyndie – und fährt los.
Beschleunigung: Solide statt spektakulär
Beim Sprint ist die A290 nicht übertrieben aggressiv. Von 0 auf 100 km/h braucht sie 6.4 Sekunden. Cyndie findet das für Schweizer Strassen absolut ausreichend, aber eben nicht «superschnell».
Warum? Die A290 leistet 160 kW, also 218 PS. Für ein Elektroauto ist das eher moderat – und genau das passt für Cyndie zur Philosophie: mehr Leistung würde meist eine grössere Batterie bedeuten. Und das wiederum mehr Gewicht.
«Wenn man mehr Leistung haben möchte, dann müssten wir eine grössere Batterie bauen, wenn man eine grössere Batterie hat, dann ist das Auto auch schwerer. Und das passt einfach nicht in die Philosophie von Alpine.»
In der Kurve: Nicht so magisch wie die A110 – aber ehrlich
In Kurven wird klar: Die A290 kann nicht einfach kopieren, was die A110 so besonders macht. Sie ist schwerer und frontgetrieben. Wer zu früh aufs Strompedal tritt, provoziert Untersteuern oder merkt, wie Elektronik Leistung begrenzt.
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«Nein, es macht nicht so viel Spass wie die alte Alpine. Das ist hier ein Fronttriebler, er ist schwerer. Und du musst etwas ruhiger ans Gas geben, sonst untersteuert das Auto oder es nimmt einfach die Leistung weg, weil das ESP eingreift», sagt Cyndie.
Trotzdem ist das für sie kein Verriss. Denn die A290 soll die A110 nicht ersetzen. Sie erfüllt eine andere Rolle: Sie ist der Einstieg in eine neue Alpine-Ära.
Alpine wird Renaults Sportmarke – «wie AMG»
Alpine verlässt die reine Leichtbau-Nische und wird zur Sportabteilung von Renault. Cyndie erklärt das mit einem Vergleich, den man sofort versteht.
«Ihr müsst euch so vorstellen: Alpine ist für Renault, was AMG für Mercedes ist.»
Das heisst: Sportliche Renault-Topmodelle sollen künftig als Alpine auftreten, und gleichzeitig entwickelt Alpine weiterhin eigene Modelle. Die A290 ist dabei der günstigste Einstieg in diese Welt – mit einem Startpreis von rund 38’000 Franken.
Der Spassknopf: Wenn es plötzlich «old school» wird
Den stärksten Eindruck hinterlässt die A290 bei Cyndie ausgerechnet dann, wenn sie etwas macht, das sie ausdrücklich nicht empfiehlt: das ESP ausschalten. Plötzlich kämpfen die Vorderräder um Traktion, das Lenkrad zerrt leicht – und genau das erinnert sie an die wilden kleinen Hot Hatches von früher.
«Wenn ich jetzt beschleunige… meine Räder vorne drehen ein bisschen durch… das ist mega Old-School. Objektiv ist das nicht gut, aber es macht Spass.»
Auch Lenkung und kurzer Radstand gefallen ihr. Das Auto wirkt handlich, direkt und überraschend agil – gerade im Vergleich zu vielen anderen E-Autos, die eher gross, schwer und lang geraten.
Reichweite: Der Preis eines kleinen E-Sportlers
Ein kleines, sportliches E-Auto hat eine kleine Batterie. In der A290 sind es 52 kWh netto. Nach Norm sind damit 364 Kilometer möglich – bei sportlicher Fahrweise können es auch deutlich unter 300 Kilometer sein.
Cyndie bleibt pragmatisch: Wer Reichweite will, findet für ähnliches Geld andere Modelle. Aber die liefern oft nicht das, was die A290 ausmacht: Charakter.
Fazit: Eine echte Alpine – weil sie etwas Seltenes schafft
Am Schluss ist für Cyndie entscheidend, ob ein Auto Emotionen weckt. Und genau das gelingt der A290. Nicht, weil sie perfekt wäre, sondern weil sie Charme hat und fahraktiv bleibt – gerade dort, wo viele E-Autos austauschbar wirken.
«Das Auto schafft etwas, was nur wenige E-Autos schaffen. Man verzeiht ihm Schwächen, weil das Auto viel Charme hat, und es macht Spass und nicht nur geradeaus – und so gesehen ist der A290 eine echte Alpine.»
