Schau das Video
Die Idee ist nicht neu, aber sie kommt langsam aus dem Labor auf die Strasse: Feststoffbatterien sollen dank höherer Energiedichte deutlich mehr Reichweite ermöglichen – und gleichzeitig robuster werden, etwa bei Kälte
Mercedes-Benz testet seit Februar 2025 einen EQS-Prototypen mit Lithium-Metall-Feststoffbatterie. In Aussicht gestellt wurde dabei eine Reichweite von rund 1000 Kilometern (WLTP). Im Sommer 2025 gelang eine Demonstrationsfahrt von 1205 Kilometern ohne Nachladen von Stuttgart nach Malmö.
Bis Feststoffbatterien aber in grosser Stückzahl im Verkauf stehen, braucht es Geduld: Hersteller sprechen zwar regelmässig von «bald», realistisch sind eher einige Jahre bis vielleicht sogar Jahrzehnten bis zur breiten Serie.
Bidirektionales Laden: Das Auto wird zum Stromspeicher
Auf das bidirektionale Laden müssen wir weniger lang warten. Die Idee passt perfekt zum Solartrend: Das E-Auto wird zum rollenden Akku, der Strom nicht nur aufnehmen, sondern auch wieder abgeben kann – etwa ans Haus (Vehicle-to-Home) oder später sogar ins Netz (Vehicle-to-Grid).
Damit liesse sich Eigenverbrauch optimieren und bei Stromausfall hätte man im Idealfall eine Art Notstromspeicher in der Garage.
In der Praxis ist das Thema jedoch noch ein Flickenteppich. Zwar gibt es erste Umsetzungen – oft mit zusätzlicher Hardware und eingeschränkter Verfügbarkeit. Viele Hersteller arbeiten daran, die Funktion breiter auszurollen, meist in Verbindung mit kompatibler Ladeinfrastruktur für zu Hause.
Warum ist es trotz grossem Potenzial noch nicht überall Standard? Ein Teil ist Technik: Es braucht Wallboxen, die nicht nur liefern, sondern auch aufnehmen können.
Der andere Teil ist das Netz: Wenn plötzlich tausende Autos gleichzeitig Energie in beide Richtungen schieben, wird die Steuerung komplexer.
Und die oft genannte Sorge um Batterie-Alterung? Reale Flottendaten deuten darauf hin, dass moderne Batterien länger halten als früher befürchtet – auch wenn häufiges Schnellladen die Alterung beschleunigen kann.
800-Volt-Technik: Schnellladen wird alltagstauglich
Die dritte Technologie ist bereits heute in Serienautos angekommen. Die 800-Volt-Systeme ermöglichen bei gleicher Kabeldimension höhere Ladeleistungen, weil die Spannung steigt.
Das senkt Verluste, entlastet die Verkabelung und macht sehr schnelles DC-Laden möglich.
Modelle wie der Hyundai Ioniq 5 nutzen 800-Volt-Technik schon länger und werben mit sehr kurzen Ladefenstern, etwa von 10 auf 80 Prozent in rund 18 Minuten unter idealen Bedingungen.
Auch Porsche setzte beim Taycan früh auf 800 Volt, mit dem Argument: schneller laden bei weniger Kabelgewicht.
In den nächsten Jahren geht 800 Volt bei vielen Herstellern in Serie, zum Beispiel bei Mercedes. Auch BMW bestätigte, dass die neue Generation auf 800-Volt-Technologie setzt – mit dem Ziel von schnellem Laden und mehr Reichweite.
Auch BYD treibt Hochvolt-Plattformen aggressiv voran: 2025 präsentierte der Hersteller eine neue Plattform mit sehr hoher Ladeleistung und kündigt dazu den Ausbau eigener Ultra-Fast-Charger an.
Wohin die Reise geht
Die drei Beispiele zeigen: Das E-Auto ist längst kein Experiment mehr, sondern ein System, das sich weiter rasant entwickelt.
Feststoffbatterien könnten Reichweite und Alltagstauglichkeit auf ein neues Niveau heben. Bidirektionales Laden macht aus Autos flexible Energiespeicher. Und 800 Volt sorgt schon heute dafür, dass Laden immer weniger Zeit kostet.
