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Schnelllader für E-Autos brauchen Strom – und zwar viel. Doch woher kommt dieser, wenn kein Anschluss an ein grosses Umspannwerk besteht?
Anders als Benzin lässt sich Strom nicht einfach lagern oder transportieren. Genau hier setzt die Agrola mit ihrem Microgrid-Konzept an – einem in sich geschlossenen, intelligent gesteuerten Stromnetz.
«Das Microgrid ist ein kleines Stromnetz, das seine eigene Energie produziert, verteilt und verbraucht», erklärt Pascal Forrer, Projektleiter Microgrid bei Agrola.
«In Bützberg erzeugen wir den Strom mit einer Photovoltaikanlage, speichern Überschüsse in einer Batterie und nutzen ihn im Gebäude und für die Schnellladestation.»
Was bei Verbrennern der Benzintank ist, ist beim Microgrid der Stromspeicher – nur nachhaltiger. Denn die Energie stammt direkt vom eigenen Dach.
Ohne Netzausbau zum Schnelllader
Für Daniel Widmer, Geschäftsführer der Landi Melchnau-Bützberg, war das Microgrid die Lösung, um eine Schnellladestation zu realisieren, ohne das öffentliche Netz aufwändig auszubauen.
«Wir mussten keinen Netzausbau machen, der uns über ein Jahr Verzögerung und sehr hohe Kosten verursacht hätte», sagt Widmer.
Zwar ist die Anlage ans öffentliche Netz angeschlossen, doch rund 85 Prozent des Stroms stammen aus eigener Produktion. Das Ziel sei klar, so Forrer: «Wir wollen so viel Energie wie möglich selbst verbrauchen.»
Ein System, das mitdenkt
Damit das funktioniert, braucht es mehr als nur Solarpanels und Batterien. Das Microgrid ist mit einem Energiemanagement-System ausgestattet – dem «Hirn» der Anlage.
«Es analysiert Wetterdaten und regelt die Speicher entsprechend», erklärt Forrer. «Im Winter beispielsweise wird automatisch mehr Reservekapazität zurückbehalten.»
So wird der Stromfluss permanent überwacht und optimiert – was nicht nur die Effizienz steigert, sondern auch die Versorgungssicherheit.
Auch bei Stromausfall versorgt
«Unser Microgrid ist notstromfähig», sagt Forrer. «Bei einem Stromausfall kann sich die Landi Bützberg vom Netz abkoppeln und bleibt ein bis zwei Tage autark.» In dieser Zeit könnten Feuerwehr oder Sanität weiterhin betankt werden – ein klarer Vorteil in Krisensituationen.
Widmer ergänzt: «Die Blaulichtorganisationen sind bereits auf uns zugekommen. Wir stehen in Kontakt, um eine mögliche Zusammenarbeit für die Notversorgung aufzubauen.»
Entlastung für das Schweizer Stromnetz
Microgrids helfen nicht nur lokal, sie stabilisieren auch das nationale Stromnetz. Denn an sonnigen Tagen produzieren viele Solaranlagen gleichzeitig grosse Energiemengen – eine potenzielle Belastung für das Netz. «Unsere Speicher nehmen diese Spitzen ab und entlasten so das System», erklärt Forrer.
Zudem lässt sich das System leicht erweitern. Das Microgrid in Bützberg ist auf eine Schnellladestation ausgelegt, «aber es ist skalierbar – für zukünftige Bedürfnisse kann man es einfach ausbauen», so Forrer.
Vernetzte Zukunft
Das langfristige Ziel ist eine Vernetzung vieler Microgrids. «Wenn sich unsere Microgrids gegenseitig unterstützen, wird nachhaltige Energie effizient genutzt – über ganze Regionen hinweg», sagt Forrer.
Davon profitieren nicht nur E-Auto-Fahrer, die mit Sonnenstrom laden, sondern auch Immobilienbesitzer und das gesamte Schweizer Stromnetz.
Die Landi Bützberg zeigt, wie Energieversorgung lokal, krisensicher und zukunftsorientiert funktionieren kann – mit Strom aus der eigenen Sonne.








