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Honda macht mit dem neuen Prelude vieles anders als der Rest der Branche. Während andere Hersteller legendäre Modellnamen auf SUV oder Elektro-Crossover kleben, bleibt Honda seiner Linie treu.
Auch die sechste Generation des Prelude ist das, was sie schon vor über 25 Jahren war: ein kompaktes, bezahlbares Coupé mit 2+2 Sitzen.
«Andere Marken gehen hier etwas flexibler mit ihrer Geschichte um», sagt GO! Chefredaktor Sämi. «Honda macht das nicht. Und ich finde, allein das verdient ein grosses Lob.»
Ein Coupé wie aus einer anderen Zeit
Genau das ist der Kern dieses Autos. Der neue Prelude will kein Lifestyle-SUV sein, kein Hightech-Showcar und auch kein brachialer Sportler. Er bleibt ein klassisches Coupé – in einer Zeit, in der genau solche Autos fast verschwunden sind.
Für Sämi ist das typisch japanisch: «Der Prelude ist immer noch ein kleines und einigermassen bezahlbares Coupé.» Das klingt unspektakulär, ist heute aber fast schon eine Kampfansage an den Markt.
Hybrid statt Hochdrehzahl-Held
So traditionell Honda bei der Form bleibt, so radikal fällt der Bruch beim Antrieb aus. Unter der Haube arbeitet ein 135 kW starker Hybrid, also 184 PS. Die hochdrehenden Honda-Benziner alter Schule sind damit Geschichte.
Für langjährige Fans der Marke ist das nicht leicht zu schlucken. «Für jemanden, der die alten Honda-Motoren und die grossartigen Handschalter noch kennt, tut es schon ein bisschen weh, gibt es das Auto nur noch als Hybrid», sagt Sämi. «Andererseits kann ich Honda auch keinen Vorwurf machen. Auch sie müssen sich den Realitäten anpassen.»
Ganz untreu wird sich Honda damit aber nicht. «Was viele nicht wissen: Zusammen mit Toyota gehört Honda zu den absoluten Pionieren bei dieser Art Motor. In den USA waren sie sogar vor Toyota auf dem Markt mit dem allerersten Hybrid.»
Nicht schnell – aber schnell genug?
Auf dem Papier wirkt der Prelude zurückhaltend. 184 PS sind 2025 kein Ausrufezeichen mehr, der Sprint auf 100 km/h dauert 8,2 Sekunden. Sportlich klingt das nur bedingt.
Trotzdem fühlt sich der Prelude nicht lahm an. Auf kurvigen Strassen passt das Konzept überraschend gut. «Ich fühle mich überhaupt nicht untermotorisiert. Durch den Hybrid habe ich auch sehr viel Drehmoment unten raus.»
Klar sei aber auch: «Ich habe 8,2 Sekunden auf 100 – das ist nicht schnell. Man muss vielleicht damit leben, dass man sich zwar schnell fühlt, aber bei jeder Autobahneinfahrt von einem Elektro-SUV gnadenlos abgezogen wird.»
Weniger Leistung, mehr nutzbarer Spass
Genau hier liegt laut Sämi aber der Punkt. Der Prelude folgt nicht der Logik von immer mehr Leistung, sondern jener von zugänglichem Fahrspass.
«Man kann das natürlich auch anders sehen, und das ist so ein typisches Japaner-Ding», sagt er. «Man hat zwar nicht so viel Leistung, dafür kann ich die auch effektiv auf der Strasse brauchen.»
Viele moderne Performance-Autos sind auf dem Papier beeindruckend, im Alltag aber kaum ausreizbar. Der Prelude geht bewusst den umgekehrten Weg. «Ich kann ein bisschen schalten, ich kann ein bisschen Spass haben, aber ich breche nicht gleich das Gesetz.»
Frontantrieb? Ja – und zwar ein guter
Dass der Prelude auf der Civic-Plattform steht und seine Kraft an die Vorderachse schickt, klingt zunächst nicht nach klassischem Sportcoupé. Auf der Strasse zeigt sich aber, dass Honda genau hier eine alte Stärke ausspielt.
«Es ist knackig, die Lenkung ist genau, auf dieser Art Strasse macht das Auto erstaunlich viel Spass», sagt Sämi. Überraschend ist das für ihn letztlich nicht: «Gute Fahrwerke kann Honda, das konnten sie schon immer. Jeder, der schon mal einen Civic Type R gefahren ist, weiss das.»
Rücksitze kaum brauchbar, dafür viel Stil
Auch beim Packaging bleibt Honda sich treu. Der neue Prelude ist weiterhin ein kompakter 2+2-Sitzer. Praktisch ist das nur bedingt.«Er kann und will nicht jedem gefallen, weil die Rücksitze eigentlich unbrauchbar sind.»
Die Konsequenz daraus ist einfach: Rückbank umklappen, als Zweisitzer nutzen, grossen Laderaum geniessen. Genau das passt zur Idee dieses Autos – weniger Vernunftmobil, mehr Charakterstück.
Echte Knöpfe statt Touch-Wüste
Im Innenraum setzt sich die eigenwillige Haltung fort. Der Prelude verweigert sich dem Trend, alles in Touchscreens zu verlagern. Und genau das gefällt Sämi.
«Ich motze so oft darüber, dass heute alles auf Touchscreens ist – und das ist hier nicht so. Diese gewisse Rückständigkeit oder Sturheit finde ich in diesem Fall positiv.»
Zwar sei das System «nicht der Massstab bei Schnelligkeit» und auch bei der Bedienung nicht führend. «Aber prinzipiell ist es sehr positiv, dass Honda hier gewisse Trends einfach ignoriert.»
Virtuelle Gänge, echter Fahrspass
Beim Getriebe zeigt sich Honda dagegen verspielt. Der Prelude simuliert Gangwechsel, obwohl er gar kein klassisches Getriebe hat. Geschaltet wird über Paddels, umgesetzt wird das Ganze elektronisch.«Das ist, weil er ein Getriebe simuliert. Das wird alles über die Elektromotoren gemacht.»
Der Vergleich zum Hyundai Ioniq 5 N liegt nahe, auch wenn Honda einen anderen Ansatz verfolgt. «Der Unterschied ist, dass hier schon noch ein Benziner dabei ist und die Geräusche von einem richtigen Motor kommen. Und das funktioniert erstaunlich gut.»
So gut sogar, dass der künstliche Charakter im Fahralltag in den Hintergrund rückt. «Ich habe beim Fahren schon lange vergessen, dass ich eigentlich virtuelle und keine echten Gänge schalte – und das ist ja ein gutes Zeichen.»
Sämis Fazit zum Honda Prelude
Der neue Prelude ist kein moderner Held für Stammtischwerte. Er ist kein Leistungskönig und auch kein Technik-Feuerwerk. Aber er hat etwas, das vielen neuen Autos fehlt: eine klare Idee.
Honda bleibt seinem Coupé treu, auch wenn der Markt längst in eine andere Richtung marschiert. Doch Fahrwerk, Form und Charakter zeigen, warum dieses Auto trotzdem mehr ist als nur eine nostalgische Fingerübung.
Oder, wie es Sämi sagt: «Vergesst Werte, vergesst Zahlen. Geht Probefahren und macht euch euer eigenes Bild.»








