Als Testwagen dient ein Fahrzeug, das wie kaum ein anderes für die deutsche Autoindustrie steht: ein Oberklasse-Kombi mit Diesel. Solche Modelle werden in Zeiten der E-Mobilität kaum noch offensiv beworben, verschwunden sind sie aber nicht.

BMW entwickelt den 540d weiter und kombiniert den 3,0-Liter-Sechszylinder-Diesel inzwischen mit einem Mildhybrid. Der Antrieb leistet 223 kW (303 PS) und 670 Nm Drehmoment. Den Verbrauch gibt BMW mit 6,0 bis 6,5 Litern pro 100 Kilometer an.
Beeindruckend sparsam auf der Langstrecke
Wie nah Theorie und Praxis beieinander liegen, zeigt eine lange Autobahnfahrt. Laut Cyndie war ihr Redaktor über 1300 Kilometer auf deutschen Autobahnen unterwegs – meist mit 120 bis 160 km/h. Der gemessene Realverbrauch lag bei 6,65 Litern pro 100 Kilometer.

Für ein grosses, schweres Allradauto ist das ein starker Wert. Mit einer Tankfüllung sind so über 900 Kilometer Reichweite möglich. Genau dieses entspannte und schnelle Kilometerfressen ist für Cyndie typisch deutsch. Lange Strecken mit hohem Tempo – darin seien deutsche Autos noch immer besonders stark.
Deutsche Stärke: der Motor
Der 540d zeigt, warum deutsche Marken bei klassischen Antrieben jahrzehntelang zur Weltspitze gehörten. Kraft, Effizienz und Souveränität passen hier bemerkenswert gut zusammen. Gerade beim Diesel haben BMW, Mercedes und Audi ihre Technik über Jahre fast perfektioniert.

Gleichzeitig verliert genau diese Stärke an Bedeutung. Mit jeder neuen Abgasnorm wird die Technik aufwendiger und teurer. Dadurch wird der Diesel wirtschaftlich zunehmend unattraktiv.
Premium kostet – und zwar ordentlich
Typisch deutsch ist für Cyndie nicht nur die technische Präzision, sondern auch der hohe Preis. Der BMW 540d kostet in der Basis 89’000 Franken. Trotzdem ist noch längst nicht alles an Bord, was man in dieser Klasse erwarten könnte.
Elektrische Sitze, beheizbares Lenkrad oder schlüsselloser Zugang kosten teilweise extra. Besonders störend findet Cyndie die Paketpolitik: Viele Ausstattungen gibt es nicht einzeln, sondern nur im Verbund mit anderen Extras. Wer ein Head-up-Display will, muss gleich ein ganzes Paket mitbestellen – ob er den Rest braucht oder nicht.

Der Testwagen kostet mit fast allen Optionen 126’840 Franken – also rund 38’000 Franken mehr als der Grundpreis. Für diesen Aufpreis liesse sich laut Cyndie auch ein Peugeot e-208 kaufen – mit etwas Geld übrig.
Das Fahrwerk als Paradedisziplin
So hoch der Preis auch ist: Beim Fahrverhalten zeigt der BMW, warum die deutsche Oberklasse in der Schweiz seit Jahren gefragt ist. Cyndie lobt vor allem das Fahrwerk. Im Komfortmodus fährt der 540d ruhig und souverän, im Sportmodus wird der grosse Kombi überraschend agil.
Dass ein fast zwei Tonnen schweres Auto in 5,4 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt und dabei auch noch Fahrspass bietet, spricht für die technische Reife des Konzepts.
Kein SUV, sondern ein typisch deutscher Kombi
Dass der BMW kein SUV, sondern ein klassischer Kombi ist, gehört für Cyndie ebenfalls zum typisch deutschen Charakter dieses Autos. Der Oberklasse-Kombi hat vor allem in Deutschland Tradition. BMW verfeinert dieses Konzept seit über 35 Jahren.

Die direkten Konkurrenten kommen wenig überraschend aus derselben Ecke: der Mercedes E 450 d T-Modell und der Audi A6 TDI quattro. Beide setzen wie der BMW auf einen hybridisierten Sechszylinder-Diesel, Allradantrieb und einen hochwertigen Innenraum.
Hochwertig, aber unnötig kompliziert
Auch im Innenraum zeigt der BMW zwei sehr deutsche Eigenschaften: hohe Qualität und unnötige Komplexität. Cyndie kritisiert das Infotainment mit seinen vielen Icons, Untermenüs und verschachtelten Strukturen. Wirklich intuitiv sei die Bedienung nicht.
Gleichzeitig lobt sie Materialien, Verarbeitung und Sitze. Alles wirke hochwertig und sauber gemacht. Allerdings gilt auch hier: In dieser Preisklasse darf man das erwarten.
Fast ohne Schwächen – aber mit unsicherer Zukunft
Unterm Strich zeigt der BMW 540d sehr deutlich, weshalb deutsche Premiummarken über Jahrzehnte so erfolgreich waren. Der Wagen ist schnell, sparsam, komfortabel und gleichzeitig erstaunlich dynamisch. Echte Schwächen leistet er sich kaum.

Trotzdem bleibt die Frage, wie lange es solche Autos noch geben wird. Gerade der Diesel zeigt, dass frühere Stärken heute weniger wert sind als noch vor einigen Jahren. Im Elektroauto haben die deutschen Hersteller zwar aufgeholt, besitzen dort aber nicht dieselbe Überlegenheit wie beim Verbrenner.
Der BMW 540d könnte damit zu den letzten Vertretern einer Ära gehören, in der deutsche Oberklasse-Diesel das Mass der Dinge waren. Genau deshalb sagt Cyndie am Ende: Wer sich so ein Auto leisten kann und genau so eines will, sollte nicht zu lange warten.












