1000 Kilometer im Volvo EX60: So entspannt geht Langstrecke
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1000 Kilometer im Volvo EX60: So entspannt geht Langstrecke

Ohne Ladeplan durch vier Länder: Auf 1000 Kilometern zeigt der Volvo EX60, wie unkompliziert elektrische Langstrecken inzwischen sein können – und wo selbst künstliche Intelligenz noch an Grenzen stösst.

Der Akku ist voll, die Reiseroute nur grob abgesteckt. Mehr Vorbereitung gönnen sich Laila und Dominic nicht, bevor sie in Bern zum 1000-Kilometer-Roadtrip aufbrechen. Mit dem Volvo EX60 geht es durch die Schweiz, Deutschland, Österreich und Liechtenstein – über Freiburg im Breisgau und den Titisee nach Bregenz, anschliessend durch die Alpen in den Süden und wieder zurück nach Bern.

Die fehlende Detailplanung ist Teil des Tests. Denn wer heute mit einem modernen Elektroauto verreist, sollte nicht zuerst Lade-Apps vergleichen, Reichweiten berechnen und eine Liste möglicher Schnelllader anlegen müssen. Der EX60 soll Navigation und Ladestopps selbst organisieren. Dabei geht es nicht um einen geschönten Reichweitenrekord, sondern um eine realistische Reise mit Autobahnetappen, Pausen, Passstrassen, Stau und spontanen Abstechern.

Laila und Dominic beim Start ihrer Reise mit dem Volvo EX60
Laila und Dominic starten in Bern mit vollem Akku, aber ohne vorbereiteten Ladeplan oder zusätzliche Reise-App. Quelle: GO!

«Los geht die wilde Fahrt», sagt Laila. Ganz allein müssen die beiden die Reise dennoch nicht bewältigen: Google Gemini fährt als digitaler Assistent mit. Die KI soll Ziele und Zwischenhalte finden, Ausflugstipps liefern und möglichst viele Handgriffe am Smartphone überflüssig machen.

Der Volvo EX60 unterbietet seinen Normverbrauch deutlich

Für die Reise steht die Allradversion des Volvo EX60 bereit. Sie leistet 375 kW, verspricht bis zu 660 Kilometer Reichweite und kostet in der getesteten Konfiguration inklusive KI-Assistent 88’240 Franken. Zahlen, die Erwartungen wecken – doch wichtiger ist, was davon auf einer echten Fernfahrt übrig bleibt.

Bereits auf der ersten Etappe kalkuliert das Auto erstaunlich verlässlich. Für die Ankunft am Titisee sagt die Navigation zunächst 68 Prozent Akkustand voraus. Unterwegs korrigiert sie den Wert sogar auf 70 Prozent nach oben. Der Bordcomputer meldet einen Verbrauch von lediglich 13,8 kWh pro 100 Kilometer. Der offizielle Normwert beträgt 16,2 kWh.

Volvo EX60 während einer Reisepause am Titisee
Am Titisee ist noch reichlich Energie vorhanden. Der erste längere Halt richtet sich deshalb nach den Menschen und nicht nach dem Akku. Quelle: GO!

«Tja, manchmal liegt es am Fahrer», kommentiert Dominic das Ergebnis. Sein Fahrstil dürfte jedoch nicht der einzige Grund sein. Sommerliche Temperaturen und ein eher zurückhaltendes Autobahntempo schaffen günstige Voraussetzungen für einen tiefen Stromverbrauch. Trotzdem zeigt die Etappe, dass ein grosses und leistungsstarkes Elektroauto auf der Langstrecke nicht automatisch zum Energiefresser wird.

Am Titisee braucht denn auch nicht der Volvo eine Pause, sondern seine Besatzung. Dominic kümmert sich um den Zuckernachschub, während Laila im kühlen See baden geht. Der Akku hätte ohne Weiteres eine längere Etappe zugelassen.

Google Gemini spart den Griff zum Handy – meistens

Die Integration von Google Gemini erweist sich unterwegs als praktischer Reisehelfer. Einfache Ziele wie Freiburg im Breisgau oder der Titisee lassen sich per Sprache eingeben. Auf die Bitte um einen schönen Pausenplatz empfiehlt die KI die Seepromenade und zeigt weitere Optionen direkt auf der Navigationskarte an.

Auch Schweizerdeutsch versteht das System grundsätzlich. Bei der gesprochenen Antwort wirkt der Dialekt allerdings noch wenig natürlich, zudem bereiten gewisse Mundarten der Spracherkennung Mühe. Laila und Dominic wechseln deshalb bald wieder ins Hochdeutsche.

Google Gemini im Infotainmentsystem des Volvo EX60
Der integrierte KI-Assistent sucht unterwegs nach Zwischenstopps, Restaurants und Sehenswürdigkeiten, ohne dass dafür das Smartphone zur Hand genommen werden muss. Quelle: GO!

Seinen grössten Nutzen zeigt Gemini bei spontanen Wünschen. Auf der Fahrt via Rheinfall nach Bregenz sucht der Assistent eine Bäckerei entlang der Strecke und übernimmt sie als Zwischenziel. In Bregenz empfiehlt er unter anderem die Seebühne und die Pfänderbahn. «Das sind so Sachen, für die du sonst das Handy hervornehmen und nachrecherchieren müsstest. Und das kannst du einfach fragen», sagt Laila.

Zum vollständig autonomen Reisebüro wird die KI damit noch nicht. Einzelne Fragen und klar formulierte Aufträge funktionieren zuverlässig. Sobald mehrere Wünsche in einem Satz zusammenkommen oder eine Aufgabe komplexer wird, muss der Mensch nachhelfen. Gemini erleichtert die Reise, ersetzt das eigene Mitdenken aber nicht.

Zwölf Minuten am Schnelllader reichen für die nächste Etappe

Kurz nach 14.30 Uhr rollt der EX60 in Bregenz ein. Zeitweise hatte die Navigation für die Ankunft 21 Prozent Restenergie berechnet, später verbesserte sich die Prognose erneut um einen Prozentpunkt. Nach gut neun Stunden Reise wird erstmals geladen – nicht aus Nervosität, sondern weil die bevorstehende Bergetappe zusätzliche Reserven verlangt.

Beim Schnellladen zählt mehr als ein hoher Spitzenwert. Entscheidend ist die Ladekurve: Hält das Fahrzeug die Leistung über längere Zeit, gelangt konstant viel Strom in den Akku. Bricht sie bereits nach wenigen Minuten ein, verlängert sich der Aufenthalt trotz eindrücklicher Maximalleistung.

Volvo EX60 beim Schnellladen während des Roadtrips
Nicht nur der Spitzenwert zählt: Die stabile Ladekurve sorgt dafür, dass der einzige Ladestopp des ersten Reisetags nach zwölf Minuten beendet ist. Quelle: GO!

Der Volvo überzeugt genau in dieser Disziplin. Während Laila die Werte dokumentiert, bleibt die Leistung konstant hoch. «Krass, wie die Leistung gehalten wird. Seit wir ihn eingesteckt haben, ging es kein Kilowatt runter», stellt sie fest. Bereits nach zwölf Minuten ist genug Energie für die Weiterfahrt vorhanden.

Danach warten nochmals rund dreieinhalb Stunden am Steuer. Die Strecke führt über den Grossen Sankt Bernhard und mitten durch die Schweizer Bergwelt. Kurz nach 19 Uhr erreicht das Team sein Tagesziel. Seit dem Start sind damit ungefähr zwölfeinhalb Stunden vergangen – bei lediglich einem kurzen Ladestopp.

Warum der Elektroauto-Roadtrip kaum noch Planung verlangt

Am zweiten Reisetag rückt zunächst der Nutzwert des EX60 in den Fokus. Unter dem Kofferraumboden gibt es zusätzlichen Platz für Gepäck und Zubehör. Nach Einschätzung von Laila und Dominic hätte problemlos mindestens die doppelte Menge mitfahren können. Werden die Rücksitze des Fünfplätzers umgelegt, wächst der Stauraum nochmals erheblich.

Vor dem Gotthardtunnel folgt ein Hindernis, das weder Reichweite noch künstliche Intelligenz beseitigen können: Stau. Die Wartezeit erlaubt einen genaueren Blick ins Cockpit. Das Fahrzeug kann das mitgebrachte Filmmaterial aufnehmen, passende Anschlüsse versorgen Kameras und andere Geräte unterwegs mit Energie. Auch das Infotainmentsystem reagiert ohne störende Verzögerung. «Was mir schon aufgefallen ist: Das ist mega schnell», sagt Laila.

Volvo EX60 nach einem 1000 Kilometer langen Roadtrip durch vier Länder
Nach vier Ländern und rund 1000 Kilometern steht fest: Gute Routenplanung und kurze Ladestopps nehmen der elektrischen Fernreise ihren früheren Abenteuercharakter. Quelle: GO!

Nach dem Gotthard führt die Strecke am Vierwaldstättersee vorbei und über die A1 zurück nach Bern. Noch vor wenigen Jahren hätte eine solche Fahrt zusätzliche Apps und deutlich mehr Vorarbeit verlangt. Wo liegt der nächste kompatible Schnelllader? Wie viel Reserve bleibt am Ziel? Und welcher Anbieter braucht welche Ladekarte? Im Volvo EX60 laufen diese Aufgaben in der Navigation zusammen. Sie berücksichtigt den Energiebedarf, passt die Ankunftsprognose laufend an und plant nötige Ladestopps direkt in die Route ein.

Nicht alles ist perfekt. Dialekte können Gemini überfordern, komplexe Anfragen brauchen Geduld, und auch der beste Routenplaner löst keinen Gotthardstau auf. Auf den gesamten 1000 Kilometern gibt es jedoch keinen Moment, in dem ein leerer Akku ernsthaft droht. Statt die Reise um das Laden herum zu organisieren, passt sich das Laden dem Reiseverlauf an.

«Wir stehen jetzt wieder hier. Wir hatten keinen Nervenzusammenbruch. Wir hatten eine gute Reise», bilanziert Laila nach der Rückkehr. Alles sei beinahe «ein wenig zu reibungslos für eine spannende Geschichte» verlaufen. Für Fahrerinnen und Fahrer ist genau diese fehlende Dramatik der grösste Fortschritt: Der Elektroauto-Roadtrip wird mit genügend Reichweite, stabiler Ladeleistung und guter Navigation zu dem, was er sein soll – eine normale lange Autofahrt.