Ein Auto fahren, das es hier eigentlich nicht gibt: Genau das macht Cyndie Allemann mit dem aktuellen Nissan Z. Nissan bietet die jüngste Generation seiner traditionsreichen Sportwagenreihe in Europa nicht offiziell an. Trotzdem steht das japanische Coupé auf Schweizer Strassen – und sorgt dort regelmässig für irritierte Blicke.
Die Geschichte des Z reicht beinahe sechs Jahrzehnte zurück. Modelle wie der 240Z, 300ZX, 350Z und 370Z machten den Buchstaben zum Erkennungszeichen für japanische Sportwagen, die Fahrspass zu einem noch einigermassen erreichbaren Preis boten. Entsprechend enttäuscht reagierte die Fangemeinde, als Nissan den neuen Z vor rund vier Jahren enthüllte, Europa jedoch von der Markteinführung ausschloss.

Der Grund liegt vor allem in den verschärften CO₂-Vorschriften. Als der 370Z 2009 erschien, waren die regulatorischen Bedingungen noch deutlich lockerer. Für den Nachfolger hätte Nissan ein Nischenmodell aufwendig an europäische Vorgaben anpassen müssen. Aus Sicht des Herstellers rechnete sich das nicht.
In der Schweiz öffnet die Firma all.cars nun eine Hintertür. Sie importiert den Nissan Z aus anderen Märkten, passt ihn an die hiesigen gesetzlichen Anforderungen an und bringt ihn mit einiger Verzögerung auf die Strasse. Dass viele Passanten das vermeintlich unerhältliche Modell sofort erkennen, überrascht Cyndie nicht. Für sie ist es ein Zeichen dafür, wie stark die Z-Fangemeinde hierzulande weiterhin ist. «Ich fahre heute ein Auto, das es gar nicht gibt», bringt sie die ungewöhnliche Ausgangslage auf den Punkt.
Was der Nissan Z in der Schweiz kostet
Ganz günstig ist der Umweg über den Import nicht. Das Basismodell startet bei knapp 69’000 Franken, der von Cyndie gefahrene Nissan Z kostet 71’900 Franken. Mit dabei sind unter anderem 19-Zoll-Räder, kräftigere Bremsen, eine umfangreichere Ausstattung und ein mechanisches Sperrdifferenzial. Dieses verteilt die Kraft kontrollierter auf die beiden Hinterräder und hilft dabei, beim Herausbeschleunigen mehr Traktion aufzubauen.
Für den Vortrieb sorgt ein 3,0-Liter-V6 mit zwei Turboladern. Seine 299 kW entsprechen 405 PS, das maximale Drehmoment von 475 Nm steht zwischen 1’600 und 5’600 Touren bereit. Gemessen an diesen Leistungswerten beurteilt Cyndie das Preis-Leistungs-Verhältnis als attraktiv – besonders in einem Markt, in dem klassische Sportcoupés selten und teuer geworden sind.

Effizienz gehört allerdings nicht zu den Stärken des Z. Mit Automatik nennt der WLTP-Wert 9,8 Liter Benzin pro 100 Kilometer, der getestete Handschalter kommt auf 10,8 Liter. Das ist für ein neues Auto im Jahr 2026 beträchtlich. Gleichzeitig erklärt der Verbrauch einen Teil seines Charakters: Der Nissan verzichtet auf Hybridunterstützung, Allradantrieb und ein komplexes Doppelkupplungsgetriebe. Das hält die Technik überschaubar und den Preis tiefer, macht den Antrieb aber weder sparsam noch besonders zukunftsorientiert.
405 PS und Hinterradantrieb: Der Fahrer bleibt verantwortlich
Vorne der Motor, hinten der Antrieb und dazwischen ein manuelles Getriebe: Der Nissan Z hält sich an ein Rezept, das heute fast altmodisch wirkt. Für Cyndie liegt gerade darin der Reiz. «Handschalter ist das Beste, wenn man Emotionen möchte und ein bisschen spielen will.»
Dieses Spiel beginnt früher, als manche erwarten dürften. Ein entschlossener Tritt aufs Gaspedal reicht, um Bewegung ins Heck zu bringen. Die ehemalige Rennfahrerin beschreibt ihre Erfahrung entsprechend direkt: «Das Auto ist brutal. Ich habe etwas gelenkt, Gas gegeben, und schon ist das Heck weg – was für ein schönes Gefühl.»

Ein hochkomplexes, computergesteuertes Fahrwerk, das Unebenheiten und Fahrfehler weitgehend kaschiert, gibt es nicht. In Kurven bleibt das Gewicht spürbar, an der Vorderachse neigt der Z leicht zum Untersteuern. Die Lenkung benötigt vergleichsweise viel Kraft, vermittelt Cyndie zufolge aber präzise, was unter den Vorderrädern passiert. So wirkt das Coupé nicht klinisch perfekt, sondern lebendig und fordernd.
Das ist allerdings kein Freipass für Experimente auf öffentlichen Strassen. Die elektronischen Fahrhilfen sollten bei den meisten Fahrerinnen und Fahrern eingeschaltet bleiben. Selbst dann gilt: 405 PS an der Hinterachse verlangen Respekt. Wer am Limit gleichzeitig die richtige Linie treffen, bremsen und schalten will, muss wissen, was er tut. Cyndies Warnung ist deshalb Teil ihrer Begeisterung: «Mit dem Auto wird man gefordert, und das gibt es kaum noch.» Der Nissan Z bietet viel Fahrspass fürs Geld, eignet sich aber nicht automatisch für jeden.
Warum alte Knöpfe im Alltag plötzlich modern wirken
Die Nähe zum Vorgänger endet nicht beim Fahrgefühl. Im Innenraum erkennen Kenner des 370Z zahlreiche Bauteile wieder. Klimabedienung, Sitzheizung, Lüftungsdüsen und Details an den Türen erinnern deutlich an das frühere Modell. Der aktuelle Z steht nicht auf einer komplett neuen Architektur, sondern nutzt eine umfassend überarbeitete ältere Plattform.
Was bei einem Neuwagen zunächst nach Sparprogramm klingt, hat im Alltag einen unerwarteten Vorteil. Viele Hersteller haben in den vergangenen zehn bis 15 Jahren selbst häufig verwendete Funktionen in Touchscreen-Menüs verlegt. Im Nissan bleiben dafür echte Schalter. Temperatur oder Sitzheizung lassen sich bedienen, ohne lange auf einen Bildschirm zu schauen. «Hier gibt es einfach Knöpfe, die man blind bedienen kann. Das ist positiv», sagt Cyndie.

Die ältere technische Grundlage lässt sich dennoch nicht überall romantisieren. Apple CarPlay und Android Auto benötigen ein Kabel, ein Head-up-Display fehlt vollständig. Auch das Infotainment reagiert trotz seiner Überarbeitung langsamer als aktuelle Systeme vieler Konkurrenten. Wer grosse Displays, schnelle Vernetzung und möglichst viele digitale Komfortfunktionen erwartet, erhält anderswo das modernere Gesamtpaket.
Der praktische Nutzen des Z liegt folglich nicht in maximaler Ausstattung, sondern in seiner Konzentration auf das Fahren. Die wichtigsten Funktionen sind leicht erreichbar, der Rest tritt in den Hintergrund. Das wirkt stellenweise überholt, kann aber auch angenehm unkompliziert sein.
Der Nissan Z besetzt eine fast verlassene Sportwagen-Nische
Seine Schwächen lassen sich leichter einordnen, wenn man den Nissan Z nicht mit gewöhnlichen Neuwagen, sondern mit den wenigen verbliebenen Sportcoupés vergleicht. Porsche 911, Aston Martin Vantage und Mercedes-AMG GT überschreiten rasch die Grenze von 150’000 Franken. Die frühere Klasse zwischen etwa 60’000 und 100’000 Franken ist dagegen beinahe verschwunden.
Cyndie verweist auf mehrere prominente Abgänge: Audi TT, Toyota Supra und Jaguar F-Type wurden eingestellt. Auch der BMW Z4 steht exemplarisch für ein schrumpfendes Segment. Im Preisbereich des importierten Nissan bleibt vor allem der Ford Mustang. Der Amerikaner setzt als V8-Muscle-Car jedoch andere Schwerpunkte als das kompaktere japanische Coupé.

Damit füllt der Z eine Lücke, die noch vor wenigen Jahren hart umkämpft war. Seine Bauweise erinnert eher an 2010 als an 2026, doch genau diese Konsequenz unterscheidet ihn von moderneren Performance-Modellen. Unzählige Fahrprogramme oder digitale Einstellungen, die den Charakter auf Knopfdruck verändern, sucht man vergeblich. «Wenn ich in das Auto einsteige, kann ich nichts einstellen. Es ist einfach, wie es ist», sagt Cyndie.
Für Interessierte macht das die Entscheidung vergleichsweise klar. Wer niedrigen Verbrauch, drahtlose Smartphone-Anbindung, modernste Assistenz und maximale Alltagstauglichkeit priorisiert, wird mit dem Z kaum glücklich. Wer dagegen selbst schalten, die Reaktionen eines kräftigen Hecktrieblers verstehen und aktiv am Fahrerlebnis beteiligt sein möchte, findet zu diesem Preis nur wenige Alternativen.
Der Mensch muss sich hier noch auf das Auto einstellen – nicht umgekehrt. Darin liegen sowohl die grösste Stärke als auch die grösste Hürde des Nissan Z. Cyndies Fazit passt deshalb besser als jede nüchterne Ausstattungsliste: «Wenn es keine Liebe auf den ersten Blick ist, wird es wahrscheinlich auch keine Beziehung geben.» Dieser Sportwagen will nicht allen gefallen. Doch gerade weil seine Art beinahe ausgestorben ist, dürfte er bei den Richtigen umso stärker wirken.












