Auto Zürich 2026: Drei Autos, drei Ideen für die Zukunft
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Auto Zürich 2026: Drei Autos, drei Ideen für die Zukunft

Ein elektrischer Zweisitzer für 18'300 Franken, ein 897-PS-Hybrid und ein Sportkombi gegen den SUV-Trend: Diese drei Neuheiten machen die Gegensätze der Auto Zürich 2026 besonders greifbar.

Klein und konsequent, gross und technisch maximal aufgerüstet oder praktisch und trotzdem emotional: An der Auto Zürich 2026 liegen die Vorstellungen moderner Mobilität weit auseinander. Vom 5. bis 8. November zeigen rund 70 Marken in der Messe Zürich mehr als 80 Neuheiten.

GO!-Chefredaktor Sämi Pfister hat sich zum Auftakt drei Modelle herausgepickt, die diesen Kontrast besonders gut abbilden. Der Smart #2 bringt die Marke zurück ins Segment der elektrischen Mikroautos. Der Zeekr 9X kombiniert eine riesige Batterie mit Benzinmotor und 897 PS. Und Opel entwirft mit dem STX Concept eine elektrische Alternative zur allgegenwärtigen SUV-Form.

Besucherinnen und Besucher vor einem verhüllten Auto an der Auto Zürich 2026
Mit rund 70 Marken und mehr als 80 Neuheiten deckt die Auto Zürich 2026 ein ungewöhnlich breites Spektrum an Fahrzeugkonzepten ab. Quelle: GO!

Es ist bewusst kein Ranking. Die drei Fahrzeuge beantworten vielmehr dieselbe Frage auf völlig unterschiedliche Weise: Was muss ein neues Auto heute bieten, damit es in einigen Jahren noch relevant ist?

Smart #2: Endlich wieder ein Smart für enge Städte

Smart wurde mit einem radikal kurzen Zweisitzer bekannt. Inzwischen prägen jedoch deutlich grössere Elektro-SUVs das Angebot der Marke. Sie erschliessen wichtige Segmente, haben sich optisch und konzeptionell aber weit vom ursprünglichen Fortwo entfernt.

Genau hier setzt der Smart #2 an. «Mit dem #2 besetzt die Marke jetzt wieder die Nische, die sie selbst erfunden hat», sagt Sämi. Der elektrische Zweisitzer knüpft an jene Idee an, die der Schweizer Unternehmer Nicolas Hayek einst mitgeprägt hatte: möglichst wenig Auto für möglichst wenig Verkehrsfläche. Heute gehört Smart Mercedes-Benz und Geely gemeinsam. Das Design entsteht in Deutschland, die Technik kommt aus China.

Kompakter elektrischer Smart #2 an der Auto Zürich 2026
Der Smart #2 verbindet zwei Sitze und minimale Abmessungen mit einer Reichweite, die auch Fahrten über die Stadtgrenze hinaus erlaubt. Quelle: GO!

Mit 2,75 Metern Länge bleibt der #2 sogar für Innenstadtverhältnisse kompakt. Noch wichtiger beim Rangieren ist der Wendekreis von lediglich 6,95 Metern. Im Heck arbeitet ein Elektromotor mit 60 kW beziehungsweise 82 PS. Die LFP-Batterie fasst 35,8 kWh und soll gemäss WLTP bis zu 290 Kilometer Reichweite ermöglichen. LFP steht für Lithium-Eisenphosphat – eine robuste Batterietechnik, die ohne Nickel und Kobalt in den Zellen auskommt.

Der angekündigte Schweizer Basispreis von 18’300 Franken macht den Smart #2 auch finanziell interessant. Damit tritt er nicht nur gegen andere Mikroautos, sondern ebenso gegen grössere elektrische Kleinwagen wie den Renault Twingo an.

Entscheidend wird sein, ob Smart die Stärken seiner früheren Modelle in die Gegenwart übersetzen kann. Sämi setzt die Messlatte hoch: «Kein anderer Hersteller hat mehr Erfahrung mit Mikroautos als Smart.» Für die Marke ist der #2 deshalb mehr als ein günstiger Einstieg. Er soll ihr ein Stück der verlorenen Eigenständigkeit zurückgeben.

Zeekr 9X: Ein Plug-in-Hybrid im XXL-Format

Das Gegenstück zum Smart steht nur wenige Messehallen entfernt. Der Zeekr 9X Ultra AWD misst 5,24 Meter und wiegt leer 2’900 Kilogramm. Das chinesische Luxus-SUV zielt auf Modelle von Range Rover, Mercedes-Benz und BMW, die in vergleichbarer Ausstattung meist teurer ausfallen.

Auch beim Antrieb denkt Zeekr in grossen Dimensionen. Zwei Elektromotoren und ein 2,0-Liter-Turbobenziner kommen gemeinsam auf 660 kW oder 897 PS. Trotz seines Gewichts beschleunigt der Allradler damit in 4,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Schwarzer Zeekr 9X mit markantem Chromgrill an der Auto Zürich 2026
Mit 55-kWh-Batterie und 330 kW Ladeleistung verschiebt der Zeekr 9X die bisherigen Grenzen des Plug-in-Hybrids. Quelle: GO!

Ungewöhnlich ist vor allem die Batterie. Ihre Kapazität von 55 kWh liegt auf dem Niveau mancher reiner Elektroautos und ermöglicht laut WLTP 179 Kilometer elektrische Reichweite. Zusammen mit dem Benzinmotor sollen bis zu 737 Kilometer möglich sein. Wer täglich lädt und überwiegend kürzere Strecken fährt, könnte den Verbrenner somit nur selten benötigen. Bleibt der Stecker dagegen ungenutzt, fährt das Auto einen sehr schweren Akku spazieren, ohne dessen Potenzial auszuschöpfen.

Die 900-Volt-Technik erlaubt eine Gleichstrom-Ladeleistung von bis zu 330 kW. Unter idealen Bedingungen soll der Akku in 9,5 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen werden. Damit wäre der Zeekr beim Ladestopp schneller als zahlreiche reine Elektroautos.

Für Schweizer Parkplätze und Strassen hält Sämi den 9X dennoch für «eine Nummer zu gross». Technisch findet er ihn gerade deshalb bemerkenswert: «Diese neue Art der Monster-Hybriden mit sehr viel elektrischer Reichweite ist eine neue Erscheinung.» Ob das Konzept sinnvoll ist, hängt stark vom Alltag der Besitzer ab. Nur regelmässiges Laden kann den enormen technischen Aufwand und das hohe Gewicht teilweise rechtfertigen.

Opel STX Concept: Der Elektro-Kombi will mehr als vernünftig sein

Zwischen dem winzigen Smart und dem mächtigen Zeekr setzt Opel einen dritten Akzent. Das erstmals in Paris gezeigte STX Concept ist kein serienreifes Modell, sondern ein Ausblick auf einen möglichen elektrischen Sportkombi. Die Abkürzung STX steht für Sports Tourer eXperimental.

Die Form ist bereits eine Aussage: Während ein grosser Teil der Branche auf SUVs setzt, entwickelt Opel die klassische Kombi-Idee weiter. Ein solcher Aufbau bietet viel Laderaum, benötigt aber weniger Stirnfläche als ein vergleichbar geräumiges SUV. Das kann den Luftwiderstand und damit den Stromverbrauch senken.

Sämi Pfister neben dem elektrischen Opel STX Concept an der Auto Zürich 2026
Das Opel STX Concept zeigt, dass ein geräumiges und effizientes Elektroauto nicht automatisch die Form eines SUV haben muss. Quelle: GO!

Beim STX kommen zusätzlich aktive Elemente am Heck zum Einsatz. Sie verändern ihre Position abhängig von der Fahrsituation und führen die Luft gezielter um das Auto. Das soll sowohl die Effizienz als auch die Stabilität verbessern. Opel plant nicht, die Studie unverändert zu produzieren. Einzelne Gestaltungsideen könnten jedoch in spätere Serienmodelle einfliessen.

Sämi begegnet spektakulären Konzeptfahrzeugen grundsätzlich mit Vorsicht: «Es ist einfach, ein aufregendes, aber nicht fahrbares oder käufliches Einzelstück für eine Messe zu bauen. Viel schwieriger ist es, ein spannendes Auto in Serie zu bringen.» Trotzdem sieht er im STX eine Chance für Opel.

Aus seiner Sicht sind die heutigen Modelle der Marke besser als ihr teilweise noch immer nüchternes Image. Verlässliche Technik allein schafft jedoch keine neue Begehrlichkeit. Dazu braucht es Autos mit Wiedererkennungswert und einer klaren Idee. Ein elektrischer Sportkombi könnte diese Aufgabe übernehmen – vorausgesetzt, Opel rettet den Charakter der Studie bis in eine mögliche Serienversion.

Auto Zürich 2026 macht die Antriebskonzepte vergleichbar

Die drei Entdeckungen könnten unterschiedlicher kaum sein. Der Smart #2 setzt auf wenig Gewicht, zwei Sitze und kleine Aussenmasse. Der Zeekr 9X will mit Luxus, extremer Leistung und einer ungewöhnlich grossen Hybridbatterie möglichst viele Anforderungen gleichzeitig erfüllen. Opel hält dagegen am Kombi fest und sucht nach einer emotionalen Alternative zum SUV.

Gerade dieser Gegensatz macht die Auto Zürich 2026 für Besucher interessant. Er zeigt, dass die Branche weder auf eine einzige Antriebsart noch auf eine universelle Karosserieform zusteuert. Je nach Einsatzprofil kann ein reduziertes Stadtauto sinnvoller sein als ein Reichweitenriese – oder ein aerodynamischer Kombi praktischer als ein hohes SUV.

Elektroautos für Probefahrten bei der EV Experience an der Auto Zürich 2026
Probefahrten im Rahmen der EV Experience helfen dabei, Reichweite, Bedienung und Fahrgefühl verschiedener Elektroautos direkt zu vergleichen. Quelle: Auto Zürich

Wer nicht nur vergleichen, sondern selbst fahren will, kann die 2021 lancierte EV Experience nutzen. Dort stehen verschiedene elektrifizierte Modelle für Probefahrten bereit; Termine lassen sich über die Website der EV Experience buchen.

Am Ende entscheidet ohnehin nicht die eindrücklichste Zahl auf dem Messeschild, sondern die Eignung für den eigenen Alltag. Genau darin liegt die Stärke dieser drei Fahrzeuge: Jedes verfolgt eine klare Idee. Ob sich daraus ein überzeugendes Auto ergibt, müssen Smart und Zeekr auf der Strasse beweisen – und Opel zunächst mit einer mutigen Serienversion.