Auto im Wasser: Warum die Tür zur Falle wird
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Auto im Wasser: Warum die Tür zur Falle wird

Wenn ein Auto ins Wasser rutscht, entscheiden Sekunden – und die Tür ist oft der falsche Ausweg. TCS-Tests zeigen, wie man sich richtig befreit und weshalb E-Autos im Wasser weniger...

Ein Moment der Unaufmerksamkeit kann reichen: Das Auto kommt von der Strasse ab und landet im Wasser. Was dann zählt, ist nicht Kraft, sondern Ruhe und das richtige Vorgehen.

In der Schweiz ist ein solches Szenario nicht völlig abwegig. Seen, Flüsse und Bäche sind vielerorts nah. Umso wichtiger ist die Frage: Was macht man, wenn das Auto plötzlich im Wasser steht?

Orangefarbenes Testauto treibt in einem Wasserbecken, Rettungskräfte und Einsatzfahrzeuge stehen am Ufer.
Wie passiert mit einem E-Auto, wenn es im Wasser landet? Das hat der TCS zusammen mit Rettungskräften getestet. Quelle: Rasmus Kaessmann

Der TCS hat zusammen mit Rettungskräften genau das getestet. Mit einem Verbrenner, aber auch mit einem Elektroauto. Die Erkenntnis: Wer überleben will, muss schnell handeln.

Die Tür zu öffnen, kann lebensgefährlich sein

Viele Menschen würden im Reflex versuchen, die Tür zu öffnen. Genau davon rät der TCS ab. Denn sobald die Tür aufgeht, strömt Wasser ins Auto.

«Dann versinkt man extrem schnell», erklärt Reto Blättler, Test- und Technikexperte beim TCS.

Wasser flutet den Innenraum eines Testautos; Lenkrad und Sitze stehen bereits unter Wasser.
Sobald das Wasser ins Auto fliesst, sinkt es extrem schnell. Quelle: GO!

Besonders gefährlich wird es, wenn weitere Personen im Auto sitzen. Sind sie noch angegurtet, bleibt kaum Zeit. Laut Blättler ist genau das oft der Grund, weshalb Menschen in solchen Situationen nicht mehr aus dem Fahrzeug kommen.

Erst abschnallen, dann durchs Fenster raus

Die wichtigste Regel lautet deshalb: Ruhe bewahren. Danach müssen alle Insassen abgeschnallt werden. Dann sollte das Fenster geöffnet und das Auto so schnell wie möglich durch die Scheibe verlassen werden.

Dafür bleibt nur wenig Zeit. Nach rund einer Minute beginnt ein Auto in der Regel zu sinken. Wer dann noch im Fahrzeug sitzt, gerät schnell unter enormen Druck.

E-Auto im Wasser: Kein Stromschlag

Zum ersten Mal hat der TCS beim Test auch ein Elektroauto sinken lassen. Für Rettungskräfte ist das wichtig, weil es bisher nur wenig Erfahrung mit solchen Fahrzeugen im Wasser gibt.

Die zentrale Frage: Was passiert mit dem Hochvoltsystem? Droht ein Stromschlag?

Laut TCS zeigt der Test: Nein. «Das Hochvoltsystem ist dicht, dort kommt kein Wasser rein», sagt Blättler.

Experte prüft mit roten Schutzhandschuhen die Hochvolt-Komponenten eines Elektroautos nach dem Wassertest
Das Hochvoltsystem wurde nach dem Test gründlich untersucht. Wasser haben die Experten dort drin keins gefunden. Quelle: Rasmus Kaessmann

Bei den Untersuchungen habe man praktisch keine Unterschiede zwischen einem Benziner und einem Elektroauto festgestellt. «Das heisst: Man bekommt keinen elektrischen Schlag, es läuft keine Säure aus.»

Das Elektroauto verhält sich im Wasser also nicht gefährlicher als ein Verbrenner. In gewissen Punkten kann es sogar Vorteile haben.

Warum das E-Auto länger reagieren kann

Moderne Elektroautos sind sehr dicht gebaut, Wasser kann weniger gut hineinströmen. Im Test blieb das Fahrzeug deshalb relativ lange auf dem Wasser. Zudem blieb die Elektronik länger aktiv. Das heisst: Die Fenster liessen sich länger öffnen.

Rotes Testauto steht halb im Wasserbecken, am Ufer beobachten Helfer den Versuch.
Bei einem Elektroauto funktioniert die Elektronik länger als beim Verbrenner. Quelle: GO!

Bei einem Verbrenner kann das anders aussehen. Fährt er ins Wasser, kann der Motor rasch abstellen und die Elektronik ausfallen. Ob sich die Fenster dann noch öffnen lassen, ist unsicher.

Beim getesteten Elektroauto funktionierten sogar die Scheibenwischer noch. Doch genau bei den Scheiben liegt bei modernen Autos ein Problem.

Nicht jede Scheibe lässt sich einschlagen

Viele Fahrzeuge haben heute Doppelverglasung oder Verbundglasscheiben. Diese sind leise, komfortabel und sicher. Im Notfall können sie aber zum Risiko werden.

«Beim Test haben wir gesehen, dass die Spezialscheiben nicht mit dem Nothammer eingeschlagen werden können», sagt Blättler. Auch Versuche mit Schirm oder Kopfstütze hätten nichts gebracht.

Ein Fuss tritt von innen gegen die gesprungene Heckscheibe eines Autos.
Die Heckscheibe kann man oft mit einem Fusstritt rausschlagen, da es sich meist um normales Glas handelt. Quelle: GO!

Das heisst aber nicht, dass alle Scheiben gleich stabil sind. Oft ist die Heckscheibe einfacher aufgebaut. «Die Heckscheibe ist meist ein normales Glas und diese bringt man sogar mit einem Fusstritt raus», so Blättler.

Der TCS empfiehlt deshalb, sich vorab mit dem eigenen Auto zu beschäftigen. In der Rettungskarte des Fahrzeugs lässt sich nachsehen, welche Scheiben verbaut sind. Auch auf den Scheiben selbst finden sich entsprechende Symbole.

Der James-Bond-Trick funktioniert nicht

Vom bekannten Filmtrick, das Auto erst sinken zu lassen und dann später auszusteigen, rät der TCS klar ab. In der Realität ist das kaum machbar.

Frau steigt bei einer Übung durch das geöffnete Seitenfenster eines Autos.
Der TCS empfiehlt zu Hause eine Trockenübung durchzuführen, um zu sehen, wie man aus dem Fenster rauskommt. Quelle: GO!

Damit sich eine Tür unter Wasser wieder öffnen lässt, muss sich der Druck innen und aussen angleichen. Das dauert laut Blättler rund zwei Minuten. «Praktisch keine Person kann zwei Minuten die Luft anhalten», sagt er. Dazu kommen kaltes Wasser, Stress und Panik.

Trockenübung kann helfen

Wirklich trainieren lässt sich ein solcher Notfall nur begrenzt. Trotzdem empfiehlt der TCS eine einfache Trockenübung: Fenster runterlassen und versuchen, innerhalb einer Minute durchs Fenster auszusteigen.